Platz der Luftbrücke

Wie andere Bauwerke aus der Zeit des Nationalsozialismus beeindruckt der Flughafen Tempelhof weniger durch differenzierte Architektur als vielmehr durch schiere Größe und Monumentalität. So müßte der Architekt Ernst Sagebiel gleich zweimal im Guinessbuch der Rekorde vertreten sein: mit dem größten Bürohaus Europas (dem ehem. Luftfahrtministerium) und dem größten Gebäude des Kontinents: dem 1936-41 entstandenen Zentralflughafen Tempelhof, seiner ihm zugedachten Aufgabe als größtem Flugkreuz Europas angemessen.

Das Gebäude ersetzte eine nur wenige Jahre alte Anlage, dessen Flugfeld 1923 eröffnet worden war. Die 100 Meter lange Abfertigungshalle ist die Symmetrieachse der Gesamtanlage und führt zur 400 Meter langen, stützenfrei überdachten Flugsteighalle. Zu beiden Seiten schließen sich unmittelbar die Hangars an, so daß sich ein insgesamt 1200 Meter langer geschwungener Baukörper ergibt. Gegliedert, aber auch monumentalisiert wird er durch blockhafte Treppenhaustürme im Abstand von jeweils 70 Metern. Das gesamte Dach ist als Zuschauerterrasse konzipiert, von hier sollte das Publikum den Flugschauen beiwohnen. Weite Teile der Anlage sind unterkellert.

Der Flughafen wurde 1975 für den öffentlichen Flugverkehr geschlossen. Derzeit wird er wieder - allerdings nur von kleineren Maschinen - angeflogen, die Zukunft des Areals ist ungewiß.

Auf dem Platz der Luftbrücke erinnert das Luftbrückendenkmal, "Hungerharke" genannt, an die Versorgung West-Berlins aus der Luft während der sowjetischen Blockade 1948/49.