Olympiastadion

Das Olympiastadion wird bis voraussichtlich 2004 grundlegend saniert. Es wurde 1935–36 nach Plänen des Architekten Werner March als zentrales Bauwerk des „Reichssportfeldes“ für die Olympischen Spiele 1936 errichtet.

Die Plattform war ursprünglich für 100.000 (heute 75.000) Zuschauer ausgelegt. Das Gebäude besitzt einen zweigeschossigen Pfeilerumgang; das Marathontor und die monumentale Freitreppe führen in den oberen Rang. Die Konzeption der Anlage ist geprägt durch die Monumentalarchitektur des NS-Regimes, für die das Olympiastadion noch heute als typisches Beispiel gelten kann. Das Olympiastadion dient noch heute als Austragungsort von Sportwettkämpfen wie dem ISTAF, den Spielen von Hertha BSC und anderen Großveranstaltungen. Teil des ehemaligen Reichssportfeldes ist außerdem das Maifeld, angelegt als Gelände für Propagandaveranstaltungen. Eine weitere Veranstaltungsanlage ist die wie ein antikes Amphitheater gestaltete Waldbühne, in der 1936 die olympischen Turnwettkämpfe ausgetragen wurden. Heute finden hier mitten im Grünen Konzerte und die beliebten Open Air- Kinovorführungen statt.

Auf der Anlage befindet sich zudem der Glockenturm, der eine weite Aussicht über die Stadt und einen beeindruckenden Blick auf das Olympiastadion, das Maifeld und die Waldbühne bietet, die sonst nur im Rahmen von Veranstaltungen besichtigt werden kann. Im Turm, einem Nachbau des ursprünglichen Turmes hängt die neu gegossene Olympiaglocke mit der Inschrift "Ich rufe die Jugend der Welt - Olympische Spiele 1936".


Anti-Moderne (Nationalsozialistischer Traditionalismus)

Werner March 1934-36

Otto March erbaute 1909 im nördlichsten Ausläufer des Grunewalds eine 2400 Meter lange Pferderennbahn. Als nun die Olympischen Spiele 1916 nach Berlin vergeben wurden, entstand innerhalb dieser Rennbahn in den Jahren 1912-13 das Deutsche Stadion. Als Berlin 1931 zum Austragungsort der Olympischen Spiele 1936 bestimmt wurde, erhielt Werner March den Auftrag, das Deutsche Stadion umzugestalten. Doch die Nationalsozialisten erkannten den unschätzbaren Prestigewert dieser Spiele und veranlaßten die Neuplanung eines "Reichssportfeldes", wofür Werner March auf alte Konzeptionen zurückgriff.

So entstand bis 1936 die streng symmetrische Anlage mit dem Olympischen Platz, dem 12 Meter unter Bodenniveau versenkten Olympiastadion für 110 000 Zuschauer, dem Maifeld, einem Aufmarschgelände für 500.000 Menschen, dessen Tribüne mit der Langemarck-Halle vom 78 Meter hohen Olympischen Turm überragt wird, und schließlich der heutigen Waldbühne für 25 000 Zuschauer. Hinzu kamen ein Hockey-, ein Reit- und ein Schwimmstadion sowie die ausgedehnten Anlagen des Deutschen Sportforums, deren nahtlose Einbeziehung in den olympischen Gesamtkomplex die Kontinuität einer monumentalisierenden Architektur von den 20er Jahren bis in die NS-Zeit deutlich macht.

Nach dem Krieg wurde das Areal teils öffentlich, teils von den britischen Besatzungstruppen genutzt. Den Wiederaufbau des Glockenturms leitete 1960-62 erneut Werner March. Das Gesamtkunstwerk Reichssportfeld funktionierte durch die Verbindung von Bauwerk und Natur, von Kulisse und Inszenierung (siehe Leni Riefenstahls Olympiafilme), aber auch durch das Zusammenspiel von Architektur und Skulpturen, wie es integraler Bestandteil der NS-Kulturpolitik war und noch heute in einzigartiger Weise hier zu beobachten ist.