Bundeskanzleramt

Das Bundeskanzleramt ist eines der imposantesten Bauwerke im neu entstandenen Regierungsviertel. Der große weiße Bau ist Teil des "Bandes des Bundes", das die neuen Gebäude mit einander verbindet, und steht zudem im architektonischen Dialog zum historischen Gebäude des »Reichstages.

Nach dem Entschluss vom 20.6.1991, Berlin zur Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands zu wählen, wurde ein Wettbewerb um die architektonische Gestaltung der Regierungsgebäude im Spreebogen ausgeschrieben. Die Berliner Architekten Axel Schulte und Charlotte Frank, Gewinner des Wettbewerbes, entwarfen das "Band des Bundes", dessen Gebäude über die Spree reichen und so Ost und West miteinander verbinden.

Das in den "Band des Bundes" integrierte Kanzleramt besteht aus einem neungeschossigen Mittelbau, dem Leitungsgebäude, und niedrigeren langgestreckten Flügeln. Kennzeichen des Leitungsgebäudes ist der 18 Meter hohe Halbkreis im oberen Teil der Fassade.

Die gläsernen Fassaden des Bundeskanzleramtes vermitteln Transparenz und Weitläufigkeit. 12 Meter hohe, weichgeformte Stelen, die auf den ersten Blick wie Säulen wirken, strukturieren die Glasfassaden und vermitteln Perspektiven, in denen Innen und Außen des Gebäudes ineinander übergehen.

Im Innern des Kanzleramtes befinden sich in den Seitenflügeln die Büros der Mitarbeiter, das Leitungsgebäude dient der Repräsentation. Allein die Eingangshalle besitzt die Ausmaße einer Kathedrale. Die Empfangsebene des Kanzlers bietet mit ihrer transparenten Gestaltung und den Balkonen einen wunderbaren Blick über den »Tiergarten. Der Ehrenhof, in dem die Staatsgäste empfangen werden, ist geschmückt mit der monumentalen eisernen Skulptur "Berlin" des spanischen Künstlers Eduardo Chillida.


Zeitgenössische Moderne

Gesamtplanung und Bundeskanzleramt: Axel Schultes mit Charlotte Frank 1997-01; Paul-Löbe-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus: Stephan Braunfels 1997-2002

Wie eine Spange legt sich nördlich vom Reichstag das "Band des Bundes" über den Spreebogen. Es umfaßt - von Westen nach Osten - den "Kanzlerpark" auf der rechten Spreeseite, das Kanzleramt, das Paul-Löbe-Haus mit Büros für die Parlamentarier sowie - wieder am rechten Flußufer - das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, in dem u.a. die Parlamentsbibliothek untergebracht wird.

Der Masterplan der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank wurde weithin als Geniestreich gefeiert. Kein anderer Wettbewerbsvorschlag setzte so radikal auf eine Neugliederung des Spreebogens, dessen Bebauung, das Alsenviertel, im Krieg bis auf die Schweizer Botschaft untergegangen war. Mit dem Band des Bundes hat der Tiergarten wieder eine akzentuierte nördliche Rahmung erhalten, wo er früher nur ausfranste. Symbolträchtig auch, daß das Kanzleramt als Regierungszentrale nicht in eine architektonischen Konkurrenz zum Parlamentssitz tritt, sondern sich in das Band der Bundesbauten eingliedert.

Zwischen und über den zwei fünfgeschossigen Verwaltungstrakten erhebt sich das 36 Meter hohe "Leitungsgebäude", in dem die Büros des Kanzlers und seiner Staatsminister, der Kabinettsaal und Konferenzräume untergebracht sind.

Nach Norden und Süden hin ist jeweils ein großer Bogen in die kahle Wand geschnitten, nach Osten (zum Haupteingang) und Westen hin sind die Außenmauern aufgelöst zu großen Glasflächen, die sich zwischen hohen Betonstelen spannen. Der große Bau erhält dadurch eine erstaunliche Transparenz und Leichtigkeit. Ganz anders wirken die beiden Seitentrakte, deren Grundrisse einem Kamm ähneln. Die Büroräume gruppieren sich um Lichthöfe, die vollständig verglast sind. So erscheinen die langen Seitenwände mit ihrem Wechsel von fensterlosen Betonmauern und großen Glasflächen kompakt und trutzig.

Das Löbehaus, vom Münchner Architekten Stephan Braunfels entworfen, wirkt monumental und doch filigraner. Die Verbindung zum Kanzleramt und zum Lüdershaus schaffen weit auskragende Vordächer, die auf schlanken Betonsäulen stehen. Beiderseits eines Atriums, das den Bau in seiner gesamten Länge durchmisst, sind auch hier die Büros kammförmig angeordnet - allerdings in größerer Tiefe.